Freitag, 27. August 2010

Kurse zur Wiedereingliederung...

Sogenannte Kurse zur Wiedereingliederung auf dem 1. Arbeitsmarkt

Von einem Bekannten habe ich vor einiger Zeit ein paar Informationen erhalten.
Er selbst ist gelernter Informatiker und springt quasi von einem Jobangebot zum Nächsten. Derzeit ist er wieder in einer Phase, wo ihm die Stelle in der Probezeit gekündigt wurde, weil er einige Tage im Krankenhaus lag.
Natürlich hatte die Kündigung nichts mit der Krankheit zu tun, das wäre auch rechtlich nicht haltbar ;-)

Jedenfalls bot man ihm beim Jobcenter dann einen vielversprechenden, 6 Monate lang in Vollzeit dauernden Kurs an:
Es gäbe eine Einrichtung, die speziell auf Fälle wie ihn professionalisiert wäre. Diese hätte beste Verbindungen auf dem Arbeitsmarkt zu vielen Unternehmen und wäre eigentlich nur dazu da, den Menschen wie ihn, den letzten "Kick" zu geben, so dass sie schnell eine Anstellung finden.

Das klang richtig super!

Ernüchternd war dann der erste Tag beim Maßnahmenträger.
Der Kurs soll in Vollzeit stattfinden, die anderen Maßnahmenteilnehmer waren die Kategorie: "Ich bin 58, bekomme keinen Job."
"Ich bin alkoholkrank, ich kriege keinen Job."
"Ich deutsche nix könne sprech, nix Job bekomm."
"Was ist ein Computer? Wo gehts hier zum Raucherraum?"
"Ich habe nie etwas gelernt, ich will nix lernen, lasst mich doch alle in Ruhe!"

Soviel zum Thema: "Kurs, der den letzten Kick auf den Arbeitsmarkt geben soll."

Nun ja, notgedrungen hat er sich des Kurses angenommen.
Insgesamt gesehen war deren Angebot wie folgend:
Sie sitzen den ganzen Tag in einem mehr schlecht als recht klimatisierten Raum mit 50 anderen Kursteilnehmern vor uralten 14"-Röhrenbildschirmen und klappernden, alten Computern. Dort schreiben Sie den ganzen Tag Bewerbungen und suchen Stellenangebote in allen möglichen Stellenbörsen im Internet."
Hier und da gab es ein "fachliches" Einzelgespräch, wo Bewerbungen aufgearbeitet und "besser" gemacht wurden. Wie eine Bewerbung auszusehen hat, darüber scheiden sich die Geister ohnehin, aber das ist ja bekannt, jeder Maßnahmeträger hat da so sein eigenes Süppchen.

Zumindest gab es ein paar Laserdrucker, auf denen die Bewerbungen ausgedruckt werden konnten, wenigstens etwas.

Einmal oder zweimal die Woche gab es dann sogar Kurse für die Maßnahmenteilnehmer, unter anderem auch: "Wie halte ich eine Computermaus" oder "Wie schaffe ich es, in Word ein paar Zeilen zu tippen."
Dafür gab es dann auch für die Bewerbungen Vorgabemasken, wo im Prinzip nur noch die Adresse eingetragen werden musste, schön nach Standardformatvorlage "F", wo dann eben übers Jahr gesehen Tausende von Teilnehmern immer schön gleich aussehende Bewerbungsunterlagen an Unternehmen schicken, die dann schon aufgrund der Optik direkt in der Rundablage landen.
Eigeninitiative war nicht gefragt und für einen gelernten Informatiker waren die Kurse ein schlechter Scherz.

Nun gut.
Das war insgesamt das Angebot dieser Maßnahme, der Schwachsinn sollte dann 6 Monate lang so gehen. Von Professionalität keine Spur.

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Um es aber auf den Nenner zu bringen:
Der Träger erhält PRO Teilnehmer und Monat sage und schreibe 500,- Euro. Derzeit sind dort etwa 200 Teilnehmer "angestellt". Das macht pro Monat eine unglaubliche Summe von

100.000 Euro

Für welches Angebot?
* Zwei Kursleiter pro Woche, angestellt auf Niedriglohnbasis
* 50 halb verfallene Computer mit 10 Jahre alten 14"-Monitoren
* 2 Laserdrucker und Papier "for free"
* einen Überwacher im Raum, der auch peinlichst genau überprüft, dass auch kein Maßnahmenteilnehmer vorzeitig verschwindet und auch immer pünktlich erscheint

Ich will hier keine Kostenrechnung aufstellen, aber selbst wenn man die Raummiete und dergleichen großzügig berechnet, bleibt für einen Träger dieser Art pro Monat weit über die Hälfte "netto" übrig und die Teilnehmer haben absolut GAR NICHTS (!) davon, außer dass ihre Zeit verschwendet wird.
Das scheint aber so gewollt zu sein.

Lange nichts geschrieben...

Das liegt vor allem daran, dass ich im Urlaub war, in der Karibik, mir die Sonne... Sorry. Ich will ja hier keine Mythen und Legenden aufrecht erhalten. Urlaub? Hat sich mir nicht vorgestellt. Weder in den letzten 5 Jahren, wohl auch nicht in den nächsten 20 - nach allgemeiner Meinung habe ich faule Sau das auch gar nicht verdient und nach BILD-Leser-Meinung gehöre ich gar ins Arbeitslager.
Lassen wir die Provokationen.

Was gibts Neues?
Nun. Effektiv im Grunde nichts, außer dass die Arbeitslosenverwahrungs- und Aktenordnerverschiebebahnhofstelle offenbar immer inkompetenter und dumpfbräsiger wird.
Warum das so ist, ist klar:
Im Jobcenter ist man der Ansicht, dass Leute wie ich so schnell wie möglich aus der Selbständigkeit gedrängt werden müssen, weil sie einfach zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeuten.

Dem reinen Hartzi kann man vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat, wo er sich zu bewerben hat, welche bescheuerte Maßnahme er zu absolvieren hat - beim Selbständigen geht das nicht - und das ist den Herren und Damen in den Jobcentern nicht genehm.
Außerdem muss man alle 6 Monate die EKS-Formulare des faulen Schmarotzers nachlesen, wahllos und willkürlich Kosten kürzen, dessen Gewinne dadurch illegalerweise in die Höhe treiben, um dann Leistungen kürzen zu können, die dann halt nicht mehr zum Lebensunterhalt reichen, aber sei es drum. Man ist kein Mensch, man ist eine Akte, und Akten brauchen nix zu Essen, sondern nur Platz zum Vollstauben.

Nun.
Vor Kurzem war es wieder so weit, der 6monatige Termin im Jobcenter stand an.

Was dabei herauskam, war höchst erstaunlich.
Erstmal präsentierte mir der neue Bearbeiter (ist alle 6 Monate ein Neuer) die Zusammenfassung vom Gespräch im März mit der Frau *peep*. Dort stand dann drin, dass wir vereinbart hätten, dass meine Selbständigkeit nur noch als Nebenbeschäftigung ausgeübt wird und dass man meine Investitionen nicht anerkennt.
Komisch.
Damals war das ganz anders, ich hatte einen Zeugen dabei. Es war weder von einer Selbständigkeit in Nebenbeschäftigung die Rede, noch dass die Investition nicht anerkannt werden würde.
Im Gegenteil. Die gute Frau meinte, sie würde die Investition von damals akzeptieren und das so weitergeben an die Leistungsabteilung, die dann jedoch die Investition nicht anerkannt hätte. Im Abschlußbericht zum Gespräch standen aber völlig neue Dinge, die mir ebenso neu waren. Auch in der Eingliederungsvereinbarung stand davon nichts.

Erstaunlich ist es trotzdem, zumal man im Jobcenter offensichtlich nicht in der Lage ist zu begreifen, dass wenn eine Tätigkeit hauptberuflich angemeldet ist, dass dieses dann auch hauptberuflich ausgeführt wird und es keine Selbständigkeit als Nebenbeschäftigung gibt. Aber hier spricht man sowieso gegen Wände, für das Jobcenter gibt es das und Basta.

Die Forderung, dass ich mich dazu verpflichte, in Zukunft einen monatlichen Gewinn von 500 Euro auszuweisen, habe ich sofort abgewehrt, das ist einfach nur grober Unfug.

Ab sofort stünde ich dem Arbeitsmarkt wieder im vollen Umfange zur Verfügung und ich solle mich "nach eigenem Ermessen" bewerben, dabei natürlich auch sämtliche Angebote wahrnehmen müssen, ist eh klar.
Was dabei herauskommt, hatten wir schon vor ein paar Jahren: Nichts. Aber egal.

Erstaunlich fand ich die Ausführung des Sachbearbeiters, als ich meinte, ich würde die neue Eingliederungsvereinbarung nicht unterschreiben. Er teilte mir daraufhin mit, dass er dann eben einen Verwaltungsakt erlassen würde und die EGV trotzdem sofort gültig wäre, auch ohne meine Unterschrift.
Ich weiß nicht, wie Ihr das so nennt, ich nenne das Erpressung und Nötigung. Aber scheinbar ist das gesetzlich sogar legitimiert.

Langsam habe ich auch ehrlich gesagt die Schnauze gestrichen voll von diesem "Amt", denn alle paar Monate kommt ein neuer "Hammer" und man hat eigentlich mehr mit dem Jobcenter zu tun, als dass man an der eigenen Unabhängigkeit in Form der Selbständigkeit arbeiten könnte.

Ich befinde mich bereits in psychotherapeutischer Behandlung aufgrund massiver Alltagsprobleme, meine Arbeitsfähigkeit und -Motivation tendiert inzwischen gegen Null, weil es völlig egal ist, ob ich etwas mache oder nicht: Das Jobcenter übt trotzdem steten Druck aus.

Die Ideen gehen mir auch langsam aus, denn es scheint sich auch kein Rechtsanwalt zu finden, der in irgendeiner Art und Weise sich aktiv für die Umsetzung von Rechten einsetzt, solange das Bare nicht stimmt - aber mit dem kann ich leider nicht bieten, somit gibt es offensichtlich auch keine angemessene Rechtsvertretung in diesem Land.

Fakt ist, dass viele Bestimmungen im Bereich Hartz IV vor dem Bundesverfassungsgericht oder in Brüssel vermutlich keinen Bestand haben dürften, weil sie einfach schwachsinnig sind oder weil sie eine hilfebedürftige Person so derart nötigen und gängeln, dass sie dem Grundgesetz massiv widersprechen.

Das werde ich jedoch nie erfahren, denn eine Klage kann ich mir nicht leisten, mein Schuldenberg wächst kontinuierlich weiter und einen Rechtsvertreter, der seinen Job ernst nimmt, scheint es nicht zu geben, wenn er seinen Sold nur vom Staat erhalten kann.