Wie schon zuvor erwähnt, Geld war da, ABER...
Der Mitleser dieses Blogs wird wissen, dass ich nebenbei eine Selbständigkeit führe.
Zu dieser ist man verpflichtet, nach Ablauf des Bewilligungszeitraumes eine Abrechnung über die vergangenen 6 Monate abzugeben, sowie eine Prognose für die nächsten 6 Monate.
Eine Prognose ist nichts anderes als ein Würfelspiel.
Man denkt sich aus, wie die Auftragslage zu Zeiten der Wirtschaftskrise aussieht und wirft dann einen Dartpfeil an die Wand.
Je nach Höhe trägt man die Summe über die Einnahmen und die Kosten, die in den kommenden Monaten entstehen werden und natürlich überhaupt nicht flexibel sind in einem Unternehmen, centgenau in das dafür vorhergesehene Wahrsagerformular ein.
Jetzt weiß man inzwischen, dass das folgende Auswirkungen hat:
Kommt beim monatlichen GEWINN mehr al 100 Euro pro Monat heraus in der Prognose, werden vorab existenziell notwendige Leistungen pauschal weggekürzt, weil macht man so.
Wenn der Gewinn dann nicht eintritt, kann man schließlich immer noch vom Dreck unter den Zehnägeln leben.
Also was macht der schlaue Hartzi?
Ändert das Formular so ab, dass eben der Gewinn pro Monat pauschal erstmal weniger als 100 Euro beträgt, so kann nicht vorab etwas abgezogen werden aufgrund von blossen Vermutungen.
Das heisst, die Einnahmen und die Kosten werden eben entsprechend in der Prognose angepasst, so dass erst einmal für die lebensnotwendigen Leistungen keinerlei Kürzungen erfolgen können.
Aber Hartzi dachte nicht an die findige Sachbearbeiterin im Jobcenter!
Dort wo man Einnahmen angibt, gibt man auch Ausgaben an.
Diese können dann, je nach Lust und Laune, willkürlich vom Sachbearbeiter gekürzt und gestrichen werden, selbst dann, wenn sie betriebsbezogen und real anfallen.
Und genau das wurde in der Prognose dann auch getan.
Weil der Sachbearbeiter meinte, ich hätte Ausgaben, die er nicht genehmigt hätte, strich er kurzerhand Ausgaben aus der Prognose und erhöht dadurch künstlich den prognostizierten Gewinn.
Wohlgemerkt, wir reden hier nicht von Fakten, wir reden hier von bloßen Schätzungen und Vermutungen.
Der Schlaue würde jetzt argumentieren: "Dann trag doch einfach nur 50 Euro Einnahmen pro Monat ein und setze alle Kosten auf 0 Euro, so kann selbst der findigste Sachbearbeiter keine Positionen mehr streichen."
- Richtig, genau so ähnlich machte ich das auch, NUR:
Wenn man dann die endgültige Abrechnung bringt und dann plötzlich Kosten hat, dann erklärt der Sachbearbeiter, dass Kosten mit 0 Euro angegeben wurden und jedoch Kosten entstanden sind, die dann wiederum nicht genehmigt wurden vom Sachbearbeiter und alleine aus diesem Grunde schon nicht anerkannt werden können.
Auch richtig - jedes Gericht zerpflückt so eine Aussage in der Luft... nur heisst das erneut Widerspruch, Besuch beim Rechtsanwalt, Klage vor dem Gericht, Gerichtsverhandlung, Gerichtsverhandlung gewonnen... und für den Zeitraum von x Monaten weniger Geld.
Ausserdem kommt das Jobcenter DANN mit einem anderen Argument und sagt einfach, die Selbständigkeit lohne sich nicht und müsse aufgegeben werden, weil zu geringe Einnahmen entstehen.
Wie man es dreht und wendet, das Jobcenter hat immer ein "Argument" parat, das für sie passt.
Aber zurück zum aktuellen realen "Beispiel"
Somit ergibt sich automatisch für die kommenden 6 Monate ein anzurechnendes Einkommen und schon werden jeden Monat pauschal vorab knapp 50 Euro Sozialleistungen gekürzt. Einfach so.
Nicht, weil das Geld erwirtschaftet wurde, sondern pauschal vorab, weil es einfach angenommen wird, dass es so sein wird.
Nun weiß das Jobcenter aber auch, dass ich krankheitsbedingt kaum in der Lage bin, derzeit meiner Selbständigkeit nachzukommen und dass dadurch sowieso kaum Einnahmen entstehen, schließlich bekommt dieses von mir regelmäßig gelbe Zettel (inzwischen nicht mehr, denn die Arztbesuche - Praxisgebühr und Medikas - kann ich nicht mehr bezahlen).
Aber egal, denn das Jobcenter tut eh, was es will.
Gegen diesen vorsätzlich falsch erstellten Bescheid habe ich natürlich Widerspruch eingelegt, deswegen habe ich aber auch nicht mehr Geld und es fehlt mir trotzdem in dem Monat, in dem ich es eigentlich zwingend brauche.
Im Übrigen, falls es noch nicht deutlich wurde:
Das Jobcenter hat mir keine prognostizierten Kosten gekürzt, sondern reale Kosten, die in die Prognose natürlich mit einfließen. Ich kann also diese prognostizierten Kosten auch nicht einfach nicht entstehen lassen, da sie längst monatlich entstehen und nicht abwendbar sind.
Nennt man auch Fixkosten, die als Unternehmung entstehen... aber psssst, nicht weitersagen.
Aber es geht ja noch weiter, das ist längst noch nicht alles in dieser Schmierenkomödie.
Dienstag, 13. April 2010
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