Ein Unternehmer darf nicht investieren.
Das Jobcenter maßt sich an und möchte gerne Unternehmer spielen, dem sich die knapp 20.000 (oder mehr?) Selbständigen bedingungslos zu unterwerfen haben.
Man darf Gewinne erzielen, Kosten dürfen dabei jedoch keine entstehen. Wie sich auf dieser Basis ein Geschäft führen lässt, ist Dir ein Rätsel? Mir auch.
Aber rätsel doch einfach mal mit!
Komplett fiktives Beispiel mit realem Bezug:
Du bist ein kleiner Unternehmer und hast vor Dir einen Auftrag, der Dich kalkuliert 500 Euro Brutto Einnahmen einbringen wird.
Du freust Dich wie Lumpi, weil das doch für Deine Verhältnisse ein recht guter Auftrag ist.
Wir schreiben den 10.02. 20010, die Ausführung des Auftrages wäre der 21.02.2010, also noch 11 Tage Zeit zur Vorbereitung.
Du rechnest zusammen und kalkulierst, welche Kosten Dir entstehen werden, Du brauchst:
Produktionsmaterial, um an den Kunden liefern zu können: ca. 80 Euro
Werbematerialien: ca. 15 Euro
Fahrtkosten: ca. 50 Euro
Verpflegungskosten (weil eine Übernachtung notwendig): 35 Euro
Kosten: für den Auftrag: 180 Euro
Du errechnest, dass 500 Euro - 180 Euro gleich 320 Euro "Gewinn" für Dich als kleinen Unternehmer ergeben und freust Dich.
Jetzt gehts aber erst los.
Das Jobcenter möchte, dass man SÄMTLICHE (!) Kosten vorab mit dem Jobcenter und Sachbearbeiter abspricht, d. h. vor Annahme des Auftrages diese Rechnung dem Jobcenter vorlegt.
Der Sachbearbeiter wird diese Rechnung entgegen nehmen und dann in seinem "Team" beraten. Dies hat schriftlich zu geschehen.
Die durchschnittliche "Bewilligungszeit" bei einem solchen Vorgehen beträgt etwa 2 Monate.
Wir schreiben inzwischen den 03. April, der Auftrag ist gelaufen, weil das Jobcenter nicht rechtzeitig reagieren konnte, dem Kunden (der sich daraufhin nie wieder melden wird) musste leider abgesagt werden.
Alternatives Szenario
Du sagst dem Jobcenter gar nichts, denn Dein Verstand sagt Dir, dass der Auftrag super ist und erfüllst diesen vertragsgemäß.
Die Kalkulation lief prima, lediglich 20 Euro zusätzliche Kosten sind entstanden, so dass sich die Kosten auf 200 Euro erhöhen, aber 300 Euro in der Tasche sind auch nicht schlecht. Denkst Du.
Nun ist der Bewilligungszeitraum herum und Du reichst Deine Abrechnungen dem Jobcenter zur Überprüfung ein.
Das Jobcenter rechnet dann:
Oh fein, er hat 500 Euro verdient! Das ist ja Supi.
Aber die Übernachtungs- uns Verpflegungskosten in Höhe von 35 Euro erkennen wir ihm nicht an, das ist schließlich viel zu teuer und ausserdem hat er gar nicht beantragt, irgendwo übernachten zu dürfen. Notiz dahinter: 0,- Euro anerkannt, nicht angemeldet
Produktionskosten in Höhe von 80 Euro?
Ne, der hätte vielleicht viel billiger herstellen können, das weiss ich zwar nicht, weil ich gar keinen Einblick in eine Unternehmung habe, sondern nur meine Verwaltungsakte kenne, aber so geht das nicht, ausserdem gabs dafür keine Genehmigung: 0,- Euro anerkannt, nicht angemeldet.
Fahrtkosten 50 Euro?
Ne, also das geht so nicht! Das ist ja Luxus!
Da hätte er mindestens vorab 3 schriftliche Preisangebote einholen und diese dem Jobcenter vorlegen müssen. Vielleicht wäre ja ein Billigzugticket auch für 20 Euro gegangen (was vielleicht theoretisch möglich gewesen wäre, man dann aber damit weder den Auftragsort erreicht, noch zu angemessenen Fahrtzeiten dort gewesen wäre, aber das spielt ja keine Rolle), den Posten streichen wir auch.
Und Werbematerialien braucht er auch nicht, der Kunde kauft auch so ohne zu wissen, dass es den Unternehmer gibt!
Glaubst Du nicht?
Aber genau DAS ist die Realität. Alles im Sinne der Statistik. Je höher der "Gewinn", desto weniger Leistung wird fällig. Das wird dann soweit ins Absurde getrieben, dass selbst Unternehmenskosten nicht mehr anerkannt werden.
Bleibt also im Grunde nur Variante A.
Aber dann stellt sich die Frage, ob das Jobcenter dem Unternehmer den gesunden Menschenverstand abspricht, ihm ebenso der wirtschaftlichen Kompetenz beraubt, ganz egal wie qualifiziert der Unternehmer ist.
Mal abgesehen davon, dass dies eine Unternehmensführung unmöglich macht, alleine das Bewilligungsprozedere dauert unwahrscheinlich lage, hier ist man jeglicher Möglichkeit beraubt, flexibel auf den Markt zu reagieren oder überhaupt in einem angemessenen Zeitraum auf Angebote zu reagieren.
Sobald auch keine Geschäftskosten entstehen dürfen, hat sich jegliche Unternehmung ohnehin erledigt.
Zumal der Unternehmer nun einmal der Unternehmer ist, nicht das Jobcenter.
Wo gibts das eigentlich, dass Dritte in Unternehmensentscheidungen eingreifen dürfen?
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